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Iran kündigt das Abkommen auf. Trump sagt, es sei ihm egal.

Einen Monat nach der Unterzeichnung ist das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran offiziell ausgesetzt. Der iranische Vize-Aussenminister erklärt am Samstag, Teheran fühle sich an keine Verpflichtung mehr gebunden. Trump sagt, das könne ihn nicht weniger interessieren. In Jordanien sterben zwei US-Soldaten durch iranische Raketen. Moskau spricht von zerschlagenen Hoffnungen. Peking appelliert an ein Papier, das beide Unterzeichner längst für tot erklärt haben.


Am 18. Juli erklärt der iranische Vize-Aussenminister das Islamabad-Memorandum für ausgesetzt. Das 14-Punkte-Abkommen war am 17. Juni unterzeichnet worden, vermittelt von Pakistan und Katar. Es sah eine Feuerpause vor, die Öffnung der Strasse von Hormus, schrittweise Sanktionserleichterungen und 60 Tage Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen. Seit dem 8. Juli wird wieder geschossen. In der Nacht zum 18. Juli fliegen die USA die siebte Angriffswelle in Folge gegen Ziele im Süden Irans. Iranische Raketen treffen den Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti in Jordanien. Zwei US-Soldaten sterben, einer wird vermisst. Es sind die ersten gefallenen Amerikaner seit Wiederbeginn der Kämpfe.

Was die Staatsmedien melden

Iran

Press TV zitiert am 18. Juli den iranischen Vize-Aussenminister. Die Amerikaner hätten mit der Wiederaufnahme ihrer Angriffe sämtliche Verpflichtungen aus dem Memorandum verletzt. Deshalb setze Iran die Umsetzung der eigenen Verpflichtungen aus. Priorität habe jetzt die entschlossene Verteidigung des Landes.

„Iran wird unter keinen Umständen Verhandlungen mit den USA beginnen." Der iranische Vize-Aussenminister, 18. Juli 2026, via Press TV

Parallel melden die Revolutionsgarden Vergeltungsschläge gegen US-Stützpunkte in Kuwait, Katar und Bahrain, darunter Camp Arifjan und die Al-Udeid-Basis. Den Raketenangriff in Jordanien nennen sie eine Antwort auf die fortgesetzten US-Bombardierungen. Die Staatsagenturen Tasnim und Fars führen Trefferlisten, von zerstörten Radarsystemen bis zu Tankflugzeugen. Eigene Verluste kommen darin kaum vor.

Vereinigte Staaten

Trump reagiert am 18. Juli knapp auf den iranischen Ausstieg. Es könne ihn „nicht weniger interessieren", dass Iran das Abkommen verlässt. Neu ist die Haltung nicht. Schon am 8. Juli hatte er beim NATO-Gipfel in der Türkei erklärt, das Memorandum sei aus seiner Sicht vorbei, und Iran wegen der Angriffe auf Handelsschiffe als schmutzigen Mitspieler bezeichnet.

Das US-Zentralkommando bestätigt die beiden Toten und den Vermissten in Jordanien und beschreibt die eigenen Angriffswellen als gezielte Abnutzung.

„Die Schläge sollen Irans Fähigkeit weiter zerstören, die Handelsschifffahrt in der Strasse von Hormus zu bedrohen, und die Kräfte der Revolutionsgarden schnell bestrafen, die amerikanische Soldaten in Jordanien angegriffen haben." US-Zentralkommando, Stellungnahme vom 18. Juli 2026

Russland

Der russische Aussenminister äussert sich am 17. Juli nach Gesprächen mit seinem aserbaidschanischen Kollegen, verbreitet über die Staatsagentur TASS.

„Wir hatten grosse Hoffnungen und haben die Schritte der USA und Irans aktiv unterstützt, als sie das Memorandum unterzeichneten. Doch diese Hoffnungen haben sich zerschlagen." Der russische Aussenminister, 17. Juli 2026, via TASS

Die Sicherheitsrisiken blieben bestehen. Die israelische Führung habe öffentlich erklärt, sich an das Memorandum nicht gebunden zu fühlen, und auch Trump erkenne es nicht mehr an. Russland fordert eine Waffenruhe und eine Rückkehr zu einer frei befahrbaren Strasse von Hormus, die vor der amerikanischen und israelischen Aggression ohne Probleme funktioniert habe. TASS titelt bemerkenswert ausgewogen, USA und Iran missachteten beide das Memorandum.

China

Der chinesische Aussenminister empfängt am 17. Juli den pakistanischen Aussenminister in Shanghai. Beide fordern eine sofortige Feuerpause und die Rückkehr an den Verhandlungstisch. Das Memorandum sei hart erkämpft, alle Seiten sollten ihre Zusagen erfüllen und die Bestimmungen einhalten. Die Staatsagentur Xinhua und die Global Times spielen die gemeinsame Initiative gross und rahmen China als die Stimme der Vernunft zwischen den Kriegsparteien.

Was Reuters, AFP und dpa dazu sagen

dpa meldet die Aussetzung am 19. Juli nüchtern als Nachvollzug. Das Rahmenabkommen habe aus Sicht Teherans keinen Bestand mehr, zitiert wird die iranische Agentur Fars. Eingeordnet wird die Meldung in die siebte Angriffsnacht der USA in Folge. Keine Gewinner-Rhetorik, keine Dramatisierung.

Die US-Medien konzentrieren sich auf die eigenen Verluste. Axios und CNN melden die beiden Gefallenen von Jordanien als erste US-Kriegstote seit Wiederaufnahme der Kämpfe und zählen insgesamt 16 gefallene Amerikaner seit Kriegsbeginn im Februar. Die Frage, die dort gestellt wird, lautet nicht ob, sondern wie stark Trump nachlegt.

Al Jazeera zeigt Videomaterial des Einschlags in Jordanien und betont die iranische Vergeltungslogik. Der Sender führt Buch über die iranischen Angriffe auf inzwischen fünf Golf- und Nachbarstaaten, von Kuwait über Katar und Bahrain bis Jordanien, und über getroffene Kraftwerke und Wasseranlagen in Kuwait.

Die westlichen Wirtschaftsmedien rekonstruieren den Bruch anders als Teheran. Nach dieser Lesart begann die Eskalation am 8. Juli, als Iran Handelsschiffe in der Strasse von Hormus traf. Danach erklärte Trump die Vereinbarung für beendet, am 12. Juli schloss Iran die Strasse komplett. Die formale Aussetzung durch Teheran am 18. Juli ist demnach das Ende einer Kette, nicht ihr Anfang.

Was fehlt

In der US-Lesart fehlt die eigene Vorgeschichte. Trumps Schulterzucken verdeckt, dass er selbst das Abkommen schon am 8. Juli für beendet erklärte, zehn Tage bevor Iran formal ausstieg. Die Empörung über den iranischen Bruch ist rhetorisch bequem, der Deal war vorher schon tot. Klein gehalten wird auch, was die Toten von Jordanien bedeuten. Nach sieben Nächten Bombardierung ist die iranische Raketenreichweite intakt genug, um US-Basen in Drittstaaten zu treffen.

In der iranischen Lesart fehlt der Anfang der Kette. Press TV nennt die US-Angriffe als Ursache der Aussetzung, lässt aber weg, womit der Bruch der Waffenruhe nach westlicher Rekonstruktion begann, mit iranischen Treffern auf Handelsschiffe. Es fehlt auch der Widerspruch im eigenen Haus. Nie wieder Verhandlungen, sagt der Vize-Aussenminister. Unterschrieben hat das Abkommen vor einem Monat der eigene Präsident. Und es fehlen die Kosten. Die US-Angriffe zerstören Brücken, Bahnlinien und Hafenanlagen im Süden des Landes. In den Erfolgsmeldungen der Garden kommt das nicht vor.

In der russischen Lesart fehlt der eigene Platz am Tisch. Vermittelt haben Pakistan und Katar, nicht Moskau. Die Rolle des ehrlichen Maklers, die Russland im Nahen Osten beansprucht, hat derzeit jemand anderes. Was der russische Aussenminister dagegen offen ausspricht: Kiew sei besorgt, dass der Iran-Konflikt den Westen von der Unterstützung der Ukraine ablenkt. Den eigenen Nutzen daraus benennt in Moskau niemand.

In der chinesischen Lesart fehlt das Eingeständnis, dass der Appell ins Leere geht. Peking fordert die Einhaltung eines Abkommens, das beide Unterzeichner für hinfällig erklärt haben. Der Adressat ist weniger Washington oder Teheran als die eigene Versorgungslage. Die Strasse von Hormus ist zu, und China bezieht rund 40 Prozent seines Öls aus der Region. Was die geschlossene Strasse Peking täglich kostet, steht in keiner Xinhua-Meldung.

Und Israel. Israel sass beim Deal nicht am Tisch und will diesmal auch nicht gebunden sein. Die israelische Führung hat erklärt, das Memorandum verpflichte sie nicht, und operiert weiter im Südlibanon und in Syrien. Parallel hat sich das israelische Parlament aufgelöst, Neuwahlen am 27. Oktober. Netanjahu führt die nächsten Kriegsmonate im Wahlkampf. In keiner der fünf Lesarten kommt dieser Termin vor, dabei hängt an ihm, wie viel Interesse an Deeskalation in Tel Aviv überhaupt besteht.

Einordnung

Der Krieg begann am 28. Februar. Am 17. Juni unterzeichneten Trump und Pezeshkian das Rahmenabkommen, am 21. Juni folgte die Zeremonie in Genf. Am 8. Juli brach die Waffenruhe, am 12. Juli schloss Iran die Strasse von Hormus, am 17. Juli starben die ersten US-Soldaten seit Wiederbeginn, am 18. Juli setzte Teheran das Abkommen formal aus.

Die Folge vom 19. Juni endete an dieser Stelle mit dem Satz, der Deal sei ein Aufschub, nicht der Frieden selbst. Der Aufschub hat drei Wochen gehalten. Die 60-Tage-Frist läuft formal bis Mitte August, doch keine Seite verhandelt. Neu gegenüber dem Frühjahr ist zweierlei. Die Strasse von Hormus ist diesmal geschlossen, nicht nur bedroht. Und mit Kuwait, Katar, Bahrain und Jordanien stehen jetzt Drittstaaten regelmässig unter Beschuss. Pakistan und Katar haben einmal vermittelt, China und Russland fordern es erneut. Ob es ein zweites Genf gibt, entscheidet sich vor Mitte August.


Quellen

  1. Press TV, Iran suspends MoU commitments after repeated US violations, 18.7.2026: presstv.ir
  2. dpa (ROUNDUP), Iran: Rahmenabkommen mit den USA ausgesetzt, 19.7.2026: finanztreff.de
  3. CNN, US-Iran war news, Live-Blog, 18.7.2026: cnn.com
  4. Middle East Eye, Trump says he couldn't care less about Iran leaving agreement, 18.7.2026: middleeasteye.net
  5. CNN, Trump says Memorandum of Understanding is over, 8.7.2026: cnn.com
  6. Axios, Two US troops killed in Iranian missile attack on Jordan, 18.7.2026: axios.com
  7. Al Jazeera, Moment Iranian missiles hit airbase in Jordan killing US soldiers, 19.7.2026: aljazeera.com
  8. TASS, Lavrov says Middle East on shaky ground as US, Iran flout memorandum, 17.7.2026: tass.com
  9. TASS, Russia urges Iran conflict parties for ceasefire, 17.7.2026: tass.com
  10. TASS, Candid talks with Azerbaijan, Kiev's worries: Lavrov's statements, 17.7.2026: tass.com
  11. Xinhua, China, Pakistan call on U.S., Iran to cease fire, resume talks, 17.7.2026: english.news.cn
  12. Global Times, China, Pakistan call for early US-Iran ceasefire, 17.7.2026: globalsecurity.org
  13. The National, Iran suspends commitments after seventh night of strikes, 18.7.2026: thenationalnews.com
  14. Haaretz, Iran Suspends U.S. Interim Deal, Deputy FM Says, 18.7.2026: haaretz.com
  15. CNBC, U.S. and Iran exchange strikes as Strait of Hormuz standoff escalates, 13.7.2026: cnbc.com